Von der Pfarrkirche zum Kulturzentrum

Bereits im Mittelalter stand auf dem Moränenhügel am Dorfrand von Boswil eine von den Rittern von Boswil errichtete Fluchtburg, später erweitert durch eine romanische Kirche. 1483 ging der Besitz ans Kloster Muri über. Die Alte Kirche im barocken Stil wurde 1664 errichtet, das heutige Haupthaus als damaliges Pfarrhaus 1757 fertiggestellt. Nachdem Boswil und Bünzen grössere Kirchbauten erstellt hatten, wurde die "Alte Kirche“ 1890 profanisiert. 40 Jahre diente sie in der Folge dem Glasmaler Richard Nüscheler als Atelier.

Unterstützung bedeutender Künstler
1953 gründeten Willy Hans Rösch und Albert Rajsek eine Stiftung mit dem Ziel, die Alte Kirche und das alte Pfarrhaus Boswil vor dem Abbruch zu retten und hier ein Heim für betagte und mittellose Künstler zu schaffen. Renommierte Künstler wie Pablo Casals, Clara Haskil, Wilhelm Backhaus, Geza Anda, Yehudi Menuhin, Edzard Schaper, Maria Becker trugen in der Folge mit Benefizveranstaltungen zur Tragfähigkeit der Stiftung bei.
1960 zogen die ersten Pensionäre ins renovierte Pfarrhaus, unter ihnen die Maler Carl Zürcher und Walter A. Steffen, der Regisseur Kurt Früh und die Tänzerin Stefanie Darras. Zur selben Zeit begann der neu gegründete Verein Künstlerhaus Boswil mit der Organisation von Veranstaltungen; später kamen Kurse, Symposien und Tagungen hinzu: der Meisterkurs von Marcel Moyse, der Internationale Kompositionswettbewerb (begründet von Klaus Huber), das Symposium "Musik in dieser Zeit" (Kurt von Fischer). Im 1970 erworbenen Atelierhaus erhielten KomponistInnen und bildende KünstlerInnen aus den damaligen Ostblockländern vorübergehend Arbeitsmöglichkeiten.

Vom Künstlerheim zum Künstlerhaus
Mit dem Tod der letzten Pensionärin 1991, begann eine Neuorientierung: Willy Hans Rösch, der Mitbegründer und langjährige Leiter, trat zurück, der Stiftungszweck wurde neu definiert. Das Künstlerheim wurde zum Künstlerhaus. Boswil profilierte sich in der Folge als Kulturzentrum, das in öffentlichen Veranstaltungen, in Weiterbildungsangeboten und Atelieraufenthalten Impulse und Akzente in einem breiten kulturellen Spektrum (klassische Musik, Jazz, Literatur, Bildende Kunst, Tanz, Theater) setzte.

Ort der Musik
Seit 2006 widmet sich das Künstlerhaus Boswil als Ort der Musik mit kantonalem Leistungsauftrag ausschliesslich der Musik. Im Zentrum steht die Klassische Musik, mit öffentlichen Konzertplattformen (Boswiler Meisterkonzerte, Boswiler Sommer), dem Bereich der Aus- und Weiterbildung (Boswiler Akademie), aber auch eigenen Ensemble- und Orchesterprojekten (Ensemble Boswil, JSAG, JOG). So stehen qualitativ herausragende Konzerte neben einer breiten Palette der Jugendförderung. Neben diesen ständigen Plattformen setzen spezifische Musikveranstaltungen zusätzliche Akzente: 2009 formierten sich im Rahmen der "Boswil Show 09" 640 Mitwirkende unter der Leitung des Künstlerhauses zum "Largest Cowbell Ensemble" der Welt und erreichten einen Eintrag im Guinness Book der Weltrekorde. 2011 erklang erstmals überhaupt, in Kooperation mit murikultur, eine Gesamtaufführung von Franz Schuberts Werk für Klavier vierhändig, innert 4 Tagen und 6 Konzerten. Und im gleichen Jahr realisierte das Künstlerhaus während des Boswiler Sommer-Festivals, in Kooperation mit den Firmen tpc und Centralheli, die Schweizer Erstaufführung von Karlheinz Stockhausens Helikopter-Streichquartett.

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