Medienecho

2016

Barock Revival - Aargauer Zeitung

Barock Revival - der Freiämter

Italienische Reise - der Freiämter

2015

 

Uraufführung des Jugendorchesters Freiamt
Jeannine Läuffer: "Mechanical Toy" (2015)  

Der Freiämter, 10. Juni 2015

Da hätte sich sogar Amor in den Pianisten verliebt
Das Jugendorchester Freiamt begeisterte
das Publikum in der Alten Kirche Boswil

Bettina Leemann


Unter dem Titel «Amor, Amor» startete das Jugendorchester Freiamt (J0F) am vergangenen Freitag seine aktuelle Tournee. Diese Tournee ist gleichzeitig der Startschuss für das Projekt «JOFuture ».
Mit Lou Hägi, dem überaus talentierten Pianisten aus Muri ist der Dirigentin Anne-Céile Gross ein grossartiger Griff gelungen. Bei der Premiere am Freitagabend in der Alten Kirche Boswil war die Magie dieses besonderen Orts deutlich zu spüren. Auf den schwarzweissen Tasten wurde fast schon gezaubert.

Magische Momente
Etwas Nervosität war am Freitagabend den jungen Musikerinnen und Musikern des Jugendorchesters Freiamt schon anzumerken. Auch die Orchesterleiterin Anne-Cécile Gross wirkte bei den ersten Takten der eröffnenden Ballettsuite von Lully noch etwas angespannt.
Doch dann nahm das gewagte Projekt Fahrtwind auf und entwickelte eine ganz eigene Dynamik, die in magischen Momenten gipfelte. Dabei wurde klar, dass Anne-Céile Gross von ihren jungen Musikerinnen und Musikern einiges abverlangt.

Klassische Musik mit
professionellem Anspruch

Hier ist nicht einfach ein Freizeitorchester am Werk, sondern hier wird klassische Musik mit professionellem Anspruch gemacht. So begnügt man sich beispielsweise auch nicht einfach damit, den barocken Komponisten Jean-Baptiste Lully zu spielen, der an sich schon selten zu hören ist.
Darüber hinaus achtete die Dirigentin darauf, dass die Instrumente eine barocke Stimmung aufweisen, sprich einiges tiefer gestimmt sind, als man es sich heutzutage gewöhnt ist. Das kann auch mal zur Folge haben, dass eine Saite reisst, wenn die Instrumente später wieder auf Normallage gestimmt werden. Doch in Boswil klappte alles wie am Schnürchen. Bei Lully hatte das Publikum wahrhaft das Hörerlebnis eines Barockorchesters mit dem charakteristischen Klang.

Ein Mozart zum Verlieben
Höhepunkt des Abends bildete das Klavierkonzert Nr. 12 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Rahmen des Projekts «JOFuture» hatte man den gerade einmal 12-jährigen Pianisten Lou Hägi aus Muri eingeladen, um mit dem Jugendorchester Freiamt gemeinsam zu musizieren.
Für die Zukunft verspricht dieses Projekt in der Tat einiges. Hägi ist ein Ausnahmetalent auf dem Klavier, und er vermochte das Publikum am Freitagabend in der Alten Kirche Boswil ganz in seinen Bann ziehen. Wie seine Finger über die Tasten gleiten, das hat denn auch schnell einmal etwas Magisches, und man fragte sich dabei, ob die Magie von Boswil auch ihren Beitrag dazu geleistet hat.
Auf jeden Fall war das dargebotene Klavierkonzert ein wahrer Hörgenuss, und man darf sich wohl zu Recht fragen, zu welchen weiteren Höhenflügen dieses Orchester, aber auch der junge Pianist noch fähig sind. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass diese jungen Musikerinnen und Musiker alle erst am Anfang einer möglichen Karriere stehen.

Die Spielfreude war deutlich
zu erkennen

Leicht und beschwingt wie ein kleiner Liebeszauber beendete dann das Orchester sein Konzert mit einer Serenade für Streichorchester des Komponisten Oscar Straus. Hier wurde einmal mehr die Spielfreude der jungen Musikerinnen und Musiker deutlich hörbar und vielleicht auch die Freude darüber, dass man bald sämtliche Klippen des Abends mit Bravour umschifft hatte. Tänzerisch und mit viel Musikalität wurde das Publikum in den lauen Sommerabend entlassen. Man darf gespannt sein, was Anne- Cécile Gross dann im Winterprojekt zur Aufführung bringen wird. Sicher ist auf jeden Fall, dass im Rahmen
des JOFuture- Projekts eine Komposition aus der Feder einer jungen Komponistin aus dem Freiamt ihre Uraufführung erleben wird.

2013

Aargauer Zeitung Freiamt 13.8.2013

Erste Erfahrungen in einem Orchester
Boswil Jugendorchester Freiamt ist immer auf der Suche nach neuen Musikerinnen und Musikern

Eddy Schambron


Es wird chaotisch sein, warnt Anne- Cécile Gross, Dirigentin des Jugendorchesters Freiamt, vor der ersten Probe. Für die erste Geige wird es sogar «criminelle», sagt die Französin mit einem frohen Lachen. Aber es ist nicht so dramatisch: Die gut 20 Jugendlichen, die in der Alten Kirche Boswil zusammengekommen sind, haben viel Spass mit ihr. Sie bereiten sich auf ein anspruchsvolles Konzert im November vor. «Bratschen sind dringend gesucht», betont die quirlige betont die Dirigentin. Und natürlich sind auch Geigen und Celli willkommen , neue Gesichter eben.

Viele Wechsel
Das Jugendorchester Freiamt bietet 12- bis 17-jährigen Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, erste Orchestererfahrungen zu sammeln. „Es ist schwierig, die jungen Leute lange zu behalten“, erklärt Gross. Mit dem Erwachsenwerden ändern sich oft die Zielsetzungen: Berufliche Ausbildung, Studium – andere Interessen fordern ihre Zeit. Deshalb ist die stete Erneuerung im Jugendorchester ganz normal Alle sind willkommen Allerdings müssen sie eine gewisse Erfahrung mitbringen. «Wir machen nicht den Musikschulen Konkurrenz», unterstreicht Gross

Reinschnuppern
Eingang in das Orchester zu finden, ist ganz unkompliziert: «Man kommt einfach einmal schnuppern», ermuntert die Dirigentin. …..
Für die Jugendlichen heisst das Mitmachen nicht nur Üben, es werden ihnen auch besondere musikalische Erlebnisse geboten. So spielt im nächsten Konzert als Solistin Viviane Chassot das Akkordeon. Sie ist regelmässig Gast bei internationalen Festivals.

Musik entdecken
«Wir machen ein Wiener Konzert», erklärt Gross den Jugendlichen. Sie will versuchen, das Jugendorchester Freiamt einem neuen Publikum zu öffnen. «Wir wollen die Menschen einladen, Musik zu entdecken.» Die Cellistin selber interessiert sich für die unterschiedlichsten Arten von Musik und hat bereits eine grosse Erfahrung als Dirigentin. Ihre mitreissende Art kommt bei den Jugendlichen offensichtlich gut an: Die Stimmung an der ersten Probe in der AltenKirche war hervorragend, die Jugendlichen sehr motiviert.

«Wir wollen die Menschen
einladen, Musik zu entdecken.»
Anne-Cécile Gross, Dirigentin
 

2012

 Aargauer Zeitung, 13. November 2012

Der Lohn für die intensiven Proben
Das Jugendorchester Freiamt und das Kantiorchester Wohlen gaben in der alten Kirche ein gelungenesDoppelkonzert.

Walter-Karl Walde
«Eigentlich müsste man jetzt seine Meinung über die heutige Jugend revidieren», sagte ein älterer Herr beim Apero nach dem Konzert zu seiner Begleitung. Recht hat er, und irgendwie doch nicht. Denn, wie der neue Leiter des Jugendorchesters Freiamt, der Violinist Lorenz Indermühle vor der ersten Programmnummer ausführte, erlernen nur ganz wenige junge Leute ein ldassisches Streichinstrument. Der Anfang ist hart und steinig, es braucht viel Ausdauer und Disziplin, bis sich erste Erfolge einstellen. Umso willkommener die Möglichkeit, schon früh in einem Orchester mitspielen zu können. Sehr lobenswert in dieser Beziehung stellt sich die ideelle und materielle Unterstützung der Stiftung Künstlerhaus Boswil dar, aber auch das Engagement von privaten Sponsoren und dem Verein «Eltern und Freunde des Jugendorchesters Freiamt (J0F).

Gute Wahl
Gerade fünfzehn Streicher und Streicherinnen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren bilden das aktuelle JOF. Geprobt wird jeden Donnerstagabend im Künstlerhaus Boswil, zwei Auftrittseinheiten zu je drei Konzerten stehen im Jahresprogramm. Der neue Dirigent hat mit der Wahl der Stücke eine gute Hand bewiesen. Drei bekannte deutsche Tänze (aus Wo0 8) von Ludwig van Beethoven bildeten den Auftakt. Keine Spur von Nervosität bei den jungen Musikern, kein Wunder, haben sie doch dasselbe Programm an den zwei vorangehenden Tagen in Widen und in Wohlen gespielt. Unter dem Motto «Südostwind» fanden auch noch sechs bearbeitete Tänze des ungarischen Komponisten Ferenc Farkas Ausnahme ins Programm. Dirigent Lorenz Indermühle treibt die Streicher mit grosser Gestik an, um die Dynamik der Kompositionen erlebbar zu machen. Das Orchester dürfte mit ihm noch viele lehrreiche Proben absolvieren. Das Concerto in G-Dur bildete bereits den Abschluss des rund halbstündigen Auftritts vor einem Publikum, das sich vorab aus Eltern, Freunden und Bekannten der Orchestermusiker zusammensetzte. Das ist auch richtig und wichtig, dass diese Begeisterung für die klassische Musik in einem motivierenden Umfeld gepflegt werden kann.

Eine Oboistin mit Potenzial
Der zweite Konzertteil absolvierte das Kantiorchester Wohlen, die 15- bis 20-jährigen Musikerinnen traten unter der Leitung der Violinistin Eva Noth auf Das bekannte Oboenkonzert d-Moll von Alessandro Marcello, fand in der Solistin Anna Birrer eine würdige Interpretin. Speziell der langsame zweite Satz tönt zwar, von der Begleitung der Violinistinnen (kein einziger Junge spielte in dieser Formation mit) eher einfach, aber das Gegenteil trifft zu. Die Begleitung muss pianissimo feine Akkorde setzen, darüber bildet das Solo der Oboe ausdrucksstarke, lang gezogene Phrasen. Anna Birrer meisterte dieses Adagio mit Bravour. Die Sonata C-Dur leitete Eva Noth vom Konzertmeisterpult aus, hier stiessen dann doch noch zwei männliche Orchestermitglieder (eine Querflöte und eine Klarinette) zum Ensemble. Die Dominanz der ersten Geige in rhythmischer und dynamischer Hinsicht war hier deutlich spürbar, entspricht aber auch durchwegs der überlieferten Aufführungspraxis, denn Kammerorchester im späten Barock kannten keine Dirigenten.
Der lang anhaltende Applaus entlöhnte die jungen Musiker für das viele Proben. Gespannt darf man sein, was Lorenz Indermühle mit dieser Formation als nächstes Konzert plant. Sein Einstand ist jedenfalls vollends geglückt.

nach oben